Mensch SEIN in Zeiten der Corona-Pandemie

Mensch SEIN in Zeiten der Corona-Pandemie - Chance für persönliches und kollektives Wachstum

18. März 2020

Wir alle werden jetzt auf die Probe gestellt. Die Corona-Pandemie bringt existentielle Ängste auf verschiedensten Ebenen hervor. Wir können uns nicht mehr so gut von unseren Gefühlen ablenken durch Aktivitäten im Außen, nicht mehr verdrängen, was wir nicht fühlen wollen - weil wir gezwungen sind, mit uns (und den Menschen in unserer Wohnung) alleine zu sein.

 

Viele bedrohliche Fragen tauchen auf: Werde ich, werden meine Liebsten krank, oder sind es schon? Wird die Erkrankung harmlos verlaufen? Werden wir in einem Notfall noch medizinisch versorgt? Verliere ich meinen Job, meine Existenzgrundlage? Wird die Versorgung der Bevölkerung wirklich gesichert sein? Wie werden sich die Menschen in meiner nahen Umgebung, im Land, in der Welt, verhalten, sollte sich die Krise zuspitzen?

Wann wird ein Impfstoff zur Verfügung stehen?

Und wann wird das alles endlich vorbei sein?

Wir werden mit unserer Sterblichkeit konfrontiert und mit unserer Unsicherheit. Damit, dass wir das Leben eben nicht „im Griff haben“, nicht „kontrollieren“ können.

Dass es eine Illusion ist, die Natur zu beherrschen, wussten wir schon immer. Dennoch haben wir mehrheitlich so gelebt, als hätten wir unbegrenzte Ressourcen, könnten unbegrenzt verbrauchen, vermüllen, konsumieren, WACHSEN.

Jetzt zeigt uns ein Virus, das Grenzen mühelos überwindet, die Grenzen dessen auf, was wir unsere „persönliche Freiheit“ nennen – wie ein Vorbote für all die anderen Gefahren, auf die wir uns ja auch einstellen müssen – vor allem den Klimawandel.

 

Chance für persönliches und kollektives Wachstum

So schlimm, so herausfordernd das ist - ich sehe in der gegenwärtigen Herausforderung auch eine Chance.

Die Chance, an dieser Krise zu wachsen und sie als einen Weckruf zu verstehen: Noch nie haben wir so deutlich gespürt und begriffen, wie verbunden wir alle miteinander sind – verbunden und aufeinander angewiesen. Lokal und global.

Und genau deswegen können wir alle gemeinsam uns jetzt besinnen, können die Grenzen, die unserem Lebensstil und unserer Orientierung auf Wachstum und Profit um jeden Preis gesetzt sind, erkennen.

Wir können uns gegenseitig unterstützen und neue, alternative Wege gehen.

Aktuell bedeutet das zunächst einmal:

Wir müssen persönlich Verantwortung übernehmen.

Das heißt, so oft wie nötig zuhause bleiben- um unsere Mitmenschen, vor allem die Alten und Geschwächten, zu schützen.

Und wenn wir gesund sind, unterstützen und helfen, wo immer möglich.

Auch virtuell. Die digitale Technik bietet uns vielfältige Möglichkeiten, miteinander in Kontakt und verbunden zu bleiben. Überall, auch bei uns in Deutschland, finden sich Menschen zusammen, um einander zu unterstützen bei praktischen Dingen wie Einkäufen, Kinderbetreuung, Pflege oder beim Ausführen von Haustieren.

Es ist aber auch wichtig, miteinander und füreinander da zu sein: Telefonieren, Skypen, die Messengerdienste nutzen, um einander zu zeigen: Wir sind nicht alleine mit und in dieser Krise. Wenn Sie Menschen kennen, die einsam oder in Not sind – suchen Sie den Kontakt zu ihnen. Wenn sie Menschen kennen, die gerade sehr gefordert sind, etwa weil sie im Gesundheitswesen oder anderen kritischen Infrastrukturen wie Politik und Verwaltung arbeiten, drücken Sie ihnen ihre Wertschätzung aus und fragen sie, ob und welche Unterstützung sie brauchen.

Eine Kerze kann tausend andere anzünden

Wir können uns mit so viel Vertrauen und Optimismus, wie wir derzeit aufbringen können, mit der Bereitschaft zu teilen und zu helfen, gegenseitig inspirieren. Dadurch können wir unseren Zusammenhalt stärken, in unserer Familie, unserem Freundeskreis, an unserem Arbeitsplatz, unserem Wohnort, unserem Land, unserem Kontinent, in unserer Welt, in der wir alle miteinander leben. In der wir miteinander verbunden und aufeinander angewiesen sind. Denn eine Kerze kann 1000 andere anzünden.

Wenn es uns gelingt, sowohl unsere eigenen Ängste und unsere Verletzlichkeit zu fühlen, und uns gleichzeitig darauf zu besinnen, welche Ressourcen wir für uns selbst und als Gemeinschaft haben, bleiben wir handlungsfähig für uns selbst und andere. So stärken wir unsere Resilienz und unser Vertrauen.

Das ist die Chance, die wir jetzt haben. Als Menschheit. So pathetisch das vielleicht klingt. Wegschauen und weiter machen wie bislang, ohne Rücksicht auf unsere Lebensgrundlagen und Mitgeschöpfe, geht nicht mehr.

Und wenn es irgendwann vorbei sein wird, können wir einen neuen Anfang wagen:

Persönlich und als Zivilgesellschaft, lokal und global, ökologisch und solidarisch, wirtschaftlich und sozial, unter Achtung der Grenzen, auf die uns jetzt ein Virus so dramatisch aufmerksam macht. Alternative Konzepte, Visionen und unzählige Beispiele für andere Formen des Wirtschaftens und Zusammenlebens gibt es bereits zuhauf. Sie umzusetzen, wird Zeit brauchen und die Offenheit und Bereitschaft von uns allen, unsere Gewohnheiten einzuschränken, zu geben und zu teilen. Mitgefühl mit und Liebe für uns selbst und unsere Mitmenschen ist vielleicht eine der wichtigsten Ressourcen, die es jetzt zu stärken gilt.

In der Besinnung darauf liegt hoffentlich die Chance, die das Virus uns bietet.

 

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